Gedenken an Monsignore Prof. Dr. Franz-Josef Hungs

Monsignore Prof. Dr. Franz-Josef Hungs

Herr Professor Franz Josef Hungs hat uns seit Jahrzehnten auf vielerlei Weise begleitet:

als Priester, Prediger - wie er gern von sich gesagt hat -, Seelsorger, aber auch als Freund und Mitmensch. Er gehörte zu uns, er hatte einen festen Platz in unserem Leben, in unserer Gemeinde. Die Gottesdienste an den Samstag Abenden hat er regelmäßig hier gefeiert. Seit April 1973 hat er den Bibelkreis dieser Pfarrei geleitet. Er nannte ihn  "Schriftkreis" und war froh und auch stolz über dessen 34-jährige Kontinuität, die überpfarreiliche, überkonfessionelle, die Generationen verbindende Offenheit und stete Erneuerung in den Mitgliedern, von denen einige wenige von Anfang an treu geblieben sind. Das 377. und - von allen ungeahnt - letzte Treffen war am 7. Mai.
Wir mögen, schätzen und verehren unseren Professor Hungs. Seinen trotz fünfmonatigem Krankenhausaufenthalt unerwarteten Tod können wir noch nicht fassen. Was er uns vermittelt, gelehrt, an seine oft faszinierten und treuen Hörer weitergegeben hat, wird uns Halt und Vermächtnis bleiben. Er hat uns den Glauben vermittelt mit der Authentizität seiner Person und seines Lebens, der Intellektualität seines Denkens und Wissens, aber auch der Tiefe seiner Empfindsamkeit und seines Betens, in der seiner Person eigenen Verbundenheit mit uns, mit jedem einzelnen von uns.

Unser Gedenken, unser Gebet für ihn und unsere tiefe Dankbarkeit für das, woran wir uns in liebendem Andenken an ihn erinnern, sei mit den folgenden Zitaten seiner Worte bzw. in diesem Kontext verwendeter Bibelstellen aufgerufen. Die Ausschnitte habe ich aus Aufzeichnungen aus dem Bibelkreis ausgewählt.
Wir hören, was wir aus seiner Predigt gut kennen, was seine Spiritualität geprägt hat.

So beten wir für ihn und für uns in der ihm stets so wichtigen Stille und Behutsamkeit:

Die Güte Gottes ist das erste - und sie bleibt.

Denn wo zwei oder drei beisammen sind, da bin  ich mitten unter ihnen.  
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt ...  Zwei sind besser dran als einer.

Gott spricht den Menschen an in der Situation, in der er steht,
das ist etwas ganz anderes als das Verkündigen ewiggültiger Wahrheiten.
Gott passt sich dem Menschen an, Gott will verstanden werden.
Gott will dem Menschen Anteil an seiner Güte, an seinem Miterleben schenken.

Gott ist die Wahrheit, die Wahrheit ist eine Person, Gott, Jesus Christus.
Es geht nicht um Theorie und Philosophie, sondern um eine Beziehung.
Es geht nicht um die Wahrheit einer Aussage, wahr oder falsch,
sondern um das ja oder nein zu einer Person, Jesus Christus.

Mit-Leidenschaft und Mit-Sorge ist die apostolische Sendung der Kirche.
Kirche ist dann apostolisch, wenn sie sich sorgt, wenn sie mit-leidet, wenn sie sich mit-verzehrt. Wer unter Verzehrungen leidet, wird weich.

Es wäre verkürzt, den religiösen Glauben "nur" als Antwort auf Fragen der Bedrängnis, der Rat- und Sinnlosigkeit, des Leids zu sehen. Er bietet gleichzeitig (und vor allem?) die Kraft der Hoffnung an, zu stehen und nicht zu fallen.
Eine gläubige Existenz ist eine aufgerichtete Existenz.

So verbunden Glaubende als Kirche sind, so unterschiedlich ist die Geschichte Gottes mit jedem Einzelnen. Eine Institution lässt sich nicht berühren, wohl aber ein Mensch.

Die Aufgabe des Glaubens ist: "Du sollst ein Segen sein" Der Segen bleibt.

Denn wenn das Herz uns auch verurteilt, Gott ist größer als unser Herz und er weiß alles.
Gott kennt auch die Seite, die wir selbst nicht in den Blick bekommen. Er ist Begleiter zur Versöhnung mit uns selbst.

Der Wunsch Gottes für uns alle ist: Leben. Die Liebeserklärung Jahwes zu dem ihm anvertrauten, angetrauten Volk lautet: "Bleib am Leben".

Der Aufbruch in die Fremde ist verbindendes Geschick:
"Denn wir haben hier keine Stadt, die bestehen bleibt" (Hebr 13,12f)
"Wir hoffen nun, dass Gott bald mit uns Erbarmen hat und uns aus der ganzen Welt an seinem heiligen Ort zusammenführt" (2 Makk 2,18)

 

Beten wir Psalm 121, im Gotteslob Nr. 752, im Wechsel:

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen:
Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt vom Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Er läßt deinen Fuß nicht wanken,
er, der dich behütet, schläft nicht.

Nein, der Hüter Israels
schläft und schlummert nicht  

Der Herr ist dein Hüter, der Herr gibt dir Schatten,
er steht dir zur Seite.

Bei Tag wird dir die Sonne nicht schaden
noch der Mond in der Nacht.

Der Herr behüte dich vor allem Bösen,
er behüte dein Leben.

Der Herr behüte dich, wenn du fortgehst und wiederkommst
von nun an bis in Ewigkeit.

Der Herr schenke ihm die ewige Ruhe
und das ewige Licht leuchte ihm,
Herr lass ihn ruhen in Frieden.
Amen

Text von Claudia Fabian